"500 Tropfen Dioxin"BUND zum Thema Mitverbrennung / Gründung von BürgerinitiativePorta Westfalica (Ly/dh). Im Streit um die geplante Mitverbrennung von Müll im Veltheimer Kraftwerk bekommen es die GKV-Verantwortlichen demnächst wohl mit einer Bürgerinitiative (BI) zu tun. Die Gründungsversammlung ist für kommenden Dienstag, 24. Mai, ab 19 Uhr im Möllberger ,,Prinsenhof’’ anberaumt. Das haben die GKV-Gegner am Donnerstagabend während einer Sitzung beschlossen - verbunden mit dem Appell an die Bevölkerung, möglichst zahlreich zu erscheinen. Wie Petra Kavanagh, eine der Organisatorinnen des Widerstandes, gestern berichtete, hätten sich alle 50 Teilnehmer bereits in vorläufige Mitgliedslisten eingetragen und darüber hinaus versichert, Werbung für das Vorhaben zu machen. ,,Wenn wir den Klageweg beschreiten, muss dies organisiert werden", nannte Kavanagh einen der Hintergründe. ,,Das Möllberger Bürgerforum kann die Organisation nicht mehr leisten." Die BI soll aus dem Bürgerforum hervorgehen, hätte damit aber nichts mehr zu tun. Als Vorbild gilt die zwischenzeitlich aufgelöste Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn (Bigtab), die im Ringen mit dem Schienenunternehmen einen spektakulären Erfolg verbuchen konnte. Kritisch setzt sich derweil die Kreisgruppe Minden-Lübbecke im Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) mit der Verbrennung so genannter Sekundärbrennstoffe im Gemeinschaftskraftwerk Veltheim auseinander. Im Visier hat der BUND besonders die Feinstaubbelastung. Demnach existiert laut TA Luft (Technische Anleitung Luft) ein Staubniederschlagsgrenzwert von 0,35 Gramm pro Quadratmeter und Tag. Aber im Gesetzestext sei von "nicht gefährdendem Staub" die Rede und den gebe es bei der Müllverbrennung nicht, so der BUND. "Es ist davon auszugehen, dass an allen Staubpartikeln Metallverbindungen und andere chemische Verbindungen daran haften." Des Weiteren rückt der BUND die Belastung bei der
Klärschlamm-Mitverbrennung ins Blickfeld. In der jüngsten Sitzung
des Portaner Planungsauschusses sei auf Nachfrage des BUND eine Klärschlammbelastung
von 0,5 Nanogramm pro Liter an Dioxin benannt worden. "Wenn wir das
mal vereinfacht darstellen, sind das ungefähr 500 Dioxin-Tröpfchen
eines modernen Tintenstrahldruckers. Dabei wird uns immer wieder beteuert,
dass die Dioxine nur in einer verschwindend kleinen Menge vorkommen. 500
Tröpfchen Tinte sind auf Papier aber bestens zu sehen", schreibt
der BUND. Diese große Menge an Dioxinen könne pro Liter Klärschlamm
verbrannt werden. Diese zusätzliche Belastung durch Dioxin und andere
Chemikalien reiche für viele Anwohner, "um daran schwer zu erkranken".
Mindener Tageblatt, 21. Mai 2005 |